SpracheKIGesellschaft

Haben Übersetzungs-Apps das Sprachenlernen getötet? Eine ehrliche Bestandsaufnahme.

DeepL übersetzt in Sekunden besser als die meisten Nicht-Muttersprachler. Und trotzdem sitze ich hier mit sieben Sprachen im Kopf und bereue nichts.

5. Januar 20261 Min. Lesezeit

Ich erinnere mich an den Moment, als ich das erste Mal einen DeepL-Text gelesen habe und dachte: das hätte ich nicht besser gemacht. Das war 2019. Seitdem ist es nur noch besser geworden.

Die logische Schlussfolgerung wäre also: Sprachenlernen ist sinnlos. Wozu Russisch büffeln, wenn eine App in 0,3 Sekunden einen besseren Satz produziert als ich nach drei Jahren Russischkurs?

Aber hier ist das Ding. DeepL hat mir noch nie erklärt, warum Russen am Telefon mit „Алло" rangehen und nicht mit „Привет". Es hat mir nicht gezeigt, dass das Wort „ничего" je nach Tonlage bedeuten kann: nichts, es ist okay, vergiss es, mach dir keine Sorgen, und das Leben geht weiter. Es hat mir nicht geholfen zu verstehen, warum polnische Kollegen nach dem Meeting noch zehn Minuten im Flur stehen bleiben und das eigentliche Gespräch erst da anfängt.

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